Angekommen in St. Petersburg 22. Dezember 2008
Da hab ich es also geschafft, telefonisch zu verifizieren, dass ich auch um 2 Uhr nachts noch im Hostel einchecken kann und sogleich ein Ticket für den Nachtzug gekauft.
Beim Ticketkauf habe ich dann herausgefunden, dass der Zug nicht im Hauptbahnhof von St. Petersburg hält und somit das “5 Minuten zu Fuss vom Bahnhof aus” auf der Hostel Website für mich nicht zutrifft. Also habe ich ein offenes Wireless LAN im Bahnhof von Helsinki gesucht und kurz vor Zugabfahrt per iPhone recherchiert. Von den zwei Bahnhöfen, an denen der Zug hält, ist einer etwa 3.3 km, der andere etwas über 5 km vom Hostel entfernt. Das scheint eine taxitaugliche Entfernung zu sein. Danach habe ich die 50 Euro, die ich dabei hatte, in Rubel umgewechselt (1800 gabs dafür) und mich im Zug niedergelassen.
Im Zug fühlte ich mich in die 80er Jahre zurückversetzt. Einerseits, weil der Zug so antik war, andererseits, weil ich all die Beschriftungen nicht lesen konnte. Da ich Hunger hatte, ging ich in den Restaurantwagen und trank 2 Bier. Der koreanisch aussehende Typ mit dem englisch beschrifteten T-Shirt, welcher sich an meinen Tisch gesetzt hat, konnte nur Finnisch und Russisch sprechen. Ich fand das witzig.
Kurz vor Ankunft bin ich mit einem St. Petersburger (der ausgesehen hat wie Kevin Sorbo) ins Gespräch gekommen. Er hat mir versprochen, mir am Zielbahnhof zu helfen. Das war eine gute Sache, denn sonst hätten die Taxifahrer meine Situation wohl gnadenlos ausgenutzt. So bin ich also zusammen mit Kevin (ich kenn seinen richtigen Namen nicht) an der ersten Welle aufdringlicher Taxifahrer vorbeigelaufen, habe ihn mit der zweiten Welle verhandeln lassen und mich dann schliesslich mit einem alten Herr und einem kleinen Bub (und Kevin) zusammen von der zweiten Welle zu einem neben-Parkplatz begeben (ein Taxifahrer der zweiten Welle hat uns eine ganze Weile noch verfolgt und weiter verhandeln wollen) und in ein schäbiges Taxi (ebenfalls aus den 80ern) gesetzt und somit nur die Hälfte der Fahrt und erst noch “Eingeborenenpreis” bezahlt. Der alte Herr und der Taxifahrer waren auch sehr hilfreich beim finden des Hostels, welches nicht beschriftet war. Die Website enthielt folgende Instruktionen:
At the front door there’s a dialer - enter 4# and “B” to ring our bell
Code for second door is 268. Press all buttons in the same moment.
Und mehr als diese Codeschlösser waren auch nicht zu erkennen von aussen. Nach dem ersten Code erklang eine Frauenstimme, die mir mitteilte, ich welchem Stockwerk sich das Hostel befindet und ich konnte weiter zum zweiten Zahlenschloss. (Fast wie in einem Computerspiel).
Das Haus in dem sich das Hostel befindet ist heruntergekommen, riecht wie eine Fabrikhalle und hat ein grosses, sehr geräumiges Treppenhaus. Ich muss bei Gelegenheit Fotos davon machen.
Jetzt bin ich definitiv nicht mehr Zuhause, alles fühlt sich etwas fremd an und ich muss mich nicht mal dazu überwinden, das zu mögen. Es ist jetzt 03:07 (St. Petersburger Zeit) und ich sollte etwas schlafen.
22. Dezember 2008 um 02:30 Uhr
Aufpassen: Das Ermitage hat Dienstag Putztag!
Unbedingt die Märkte anschauen, da lässt sich gut zeit vertreiben… Uns hatte da mal eine alte Frau “gerettet”, nachdem wir für eine Melone etwa das vierfache hätten bezahlen sollen… Die hat die Verkäuferin etwa 5 Minuten lang angeschrieben… Sehr lustige Erfahrung
Have fun!
22. Dezember 2008 um 08:53 Uhr
Ich frag mich ja wie lange du noch auf iPhone und Internet vertrauen kannst. Irgendwann wirst du mal noch richtig in die Wildnis kommen.
22. Dezember 2008 um 19:08 Uhr
Das Hermitage hat am Montag putztag - Claudio wird wohl dann hingehen…