Einkaufen in Peking January 24th, 2009

Die interessantesten Beobachtungen zu China bisher hab ich beim Einkaufen gemacht. Hier ein paar Zeilen dazu.

Silk Market

Ein etwa 4 stöckiges Gebäude voller Kleider-, Elektronik- und Ramschläden. Aufgebaut wie eine sehr enge Messe hat jeder Laden ca. 2×3 Meter Fläche und eine kleine Chinesin um die 20 davor, die mit allen Mitteln versucht, die Aufmerksamkeit der Touristen auf sich zu ziehen. Man schlendert also durch die Gänge und hört im Abstand von 2 Sekunden (das ist nicht übertrieben) “Hello Sir! Buy purse for girlfriend!”, “Hello Sir, you wanna buy suit?”, “Very cheap pullover!”. Es gibt auch orignellere: “Sir, do you want to kiss me?” (äh wie?), “Hey handsome man!”, “Hey i remember you!”. Manchmal ist man wirklich versucht, stehen zu bleiben, nur um die kleine Dame zu fragen, ob sie denn nicht in der Schule sein sollte. Die sehen alle so jung aus! Nachdem ich die ersten 20 Sekunden noch versucht habe, “no, thanks” zu sagen, merkte ich schnell, dass man hier nur weiterkommt, wenn man Augenkontakt meidet und so tut, als gäbe es die kleinen Chinesinnen nicht. Autisten sind hier stark im Vorteil.

Wenn mann denn tatsächlich etwas kaufen will, sollte man dringend mit den Grundregeln des Handelns vertraut sein und die Ortsspezifischen Parameter kennen. Ein “Marken”-Pullover ist gerne mal mit 600 RMB (90 Fr.) angeschrieben. Man bietet also 50 RMB (7.50 Fr.), läuft 5 mal beim “letzten Angebot” der Händlerin davon und kauft schlussendlich für um die 100 RMB.

Die Markenkleider sind natürlich gefälscht oder, wie gerne behauptet wird “Überreste absichtlicher Überproduktion der Fabriken, die die echten Kleider herstellen”.

Nachdem wir aus dem Silk Market rauskamen, hatten zwei der Finnen und ich neue Übernamen. Aki war “Sexy Man”, ich war “Handsome Man” und Tuomas war – kein Witz – “Spiderman”. Das beweist meine Traveldeskgirl-Theorie: Viele Chinesen die Englisch sprechen wissen gar nicht, was sie sagen.

 

YaShow Market

So grinst man, wenn man gerade einen Touristen ausgenommen hat.

Eigentlich dasselbe wie der Silk Market. Da ich einen Rasierer brauchte, habe ich mich ausführlich mit dem Elektroramsch-Stockwerk befasst. Man kann da nebst gefälschten iPhones, Fotokameras und Rasierapparaten auch Zielfernrohre kaufen. Zielfernrohre!

Das Mädchen, das mir den Rasierer (7.50 Fr.) verkauft hat, hat mich beim aushandeln des Preises immer wieder mit grossen Augen angeschaut: “Don’t be so hard to me!”. Dieses kleine Luder.

 

IT Market

Tuomas wollte sich über die Preise für eeePC-ähnliche Geräte in China informieren, weshalb wir uns eines Nachmittags aufmachten in eine fremde Gegend in der Stadt wo es ein grosses Gebäude mit beeindruckender LED-Installation an der Fassade hat. Irgendwo darunter steht klein “IT Market”.

Da wir auf der Suche zuerst ein normales Einkaufszentrum gefunden haben, und nun wussten, dass es auch sowas in Peking gibt (mit echten, teuren Markenkleidern, Coffee Shops und ohne nerv-Verkäuferinnen), erwarteten wir einen zivilisierten Elektronik-Superstore.

IT market

Nichts da. Der IT Market ist wie der Silk Market, nur sind es hier junge Männer im Anzug die in Scharen auf die Besucher zuströmen. Da die Stände wesentlich grösser und offener sind, haben diese Verkäufer mehr Bewegungsfreiheit und können ihren Opfern einige Meter hinterherlaufen. Und auch da wird gehandelt. Wenn man sich also über den Preis eines Gerätes informiert und danach davonläuft, fängt der Verkäufer an, zu handeln, während schon der nächste die Verfolgung aufgenommen hat. “Sony camera? …..Canon?”

 

Einkaufszentren

Normale Luxus-Einkaufszentren entstehen zur Zeit an jeder Ecke in Peking. Sie sind vollgepackt mit Fashion-Geschäften, Coffee-Shops und hippen Restaurants. Während der durchschnittliche Pekinger nicht sehr wohlhabend ist, gibt es doch eine (anteilsmässig anscheinend nicht so kleine) Elite die mit Luxus versorgt werden muss.

 

Das kleine Lädeli auf der anderen Strassenseite

Etwa so gross wie ein kleiner Tankstellenshop in der Schweiz. Hat etwa 3-4 verschiedene Sorten/Marken Hühnerfüsse, aber kein Deodorant. Dafür wiederum eine solide Auswahl an Haarpflegeprodukten.

Sollte ich mal ein Göttikind haben, werde ich ihm ein Mobile aus Hühnerfüssen basteln. Für lebenslange Albträume.

 

Bier

Ein guter Standardpreis für eine Flasche Tsing Tao ist 10 RMB (1.50 Fr.) in einer normalen Bar. Im Edelclub kriegt man für das dreifache eine Flasche Heineken und wird einmal pro Abend von einer Prostituierten angesprochen. Der Club hat viel Personal, dass auf der Tanzfläche und zwischen den Tischen herumlungert und einem das Bier vorbeibringt. Sehr trinkfördernd, wenn man sich nicht zu einem Barkeeper durchkämpfen muss für ein Bier. Tanzende Chinesinnen sind süss, ich habe aber noch nicht feststellen können, wie gross der Anteil an Prostituierten ist. Genauere Nachforschungen sind angebracht.



2 Responses to “Einkaufen in Peking”

  1. bart Says:

    hehe, traumhaft! suber gschriebe.

  2. Lena Says:

    läck äs isch eifach en traum din blog z’läsä :-) weiter so!

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Über den Autor

Claudio M. Mettler

Mein Name ist Claudio M. Mettler. Ich bin 26 Jahre alt.

Seit Dezember 08 bin ich auf Reisen und möchte nicht mehr zurück ins normale Leben.

Hier dokumentiere ich meine Abenteuer und den Reisealltag.

Mein Zuhause im Cyberspace ist Ponyfleisch.ch