Transsib 6. Januar 2009

Mittlerweile bin ich in Peking. Aber dazu mehr zu einem anderen Zeitpunkt. Zuerst ein kleiner Bericht über die Transsibirische Eisenbahn.

Tag 1

Das Ticket zu bekommen war kein Problem. Da der Zug um 21:35 losfuhr, machte ich mich gegen 19:00 auf den Weg zum Bahnhof per Metro. An der Zielstation waren dann gleich 3 verschiedene Bahnhöfe, die nicht gerade gut beschriftet waren. Man konnte sie auch nicht klar voneinander unterscheiden, weil es überall kleine Läden und Stände hatte. Mit Herumfragen habe ich dann den richtigen Bahnhof, bzw. die richtige Ecke des Superbahnhofs gefunden.

In der Eisenbahn gibt es kostenlos heisses Wasser, weshalb ich mir in einem Laden am Bahnhof 15 Portionen Ramen-ähnlicher Nudelgerichte kaufte. Tee hatte ich schon vorher gekauft.

Da ich trotzdem das eine oder andere Essen oder Bier im Speisewagen kaufen will, habe ich mich auf die Suche nach einem Bankomaten gemacht, derer ich nach langer Suche gleich 3 gefunden habe, von denen aber keiner funktioniert hat. Prima. Ich hatte ja noch knapp 2000 Rubel, was etwa 80 Fr. sind. Ausserdem habe ich 100 US Dollar verteilt in Gepäck und Kleidung (jeweils 20 zusammen), für den absoluten Notfall, weiss aber nur noch von 80 Dollar, wo sie sind. Chinesische Yuans zu kriegen schien auch nicht möglich zu sein, weshalb ich zum Zug ging, und fragen wollte, ob sie im Speisewagen auch Visa (Kreditkarte) nehmen.

Der chinesische Zugbegleiter führte mich zu einer Dame, die meinen Pass sehen wollte und englisch sprach. Mir wurde klar, dass sie mich falsch verstanden haben (sie dachten ich hätte ein Problem mit einem Visum). Die Dame fand dann aber tatsächlich, dass ich ein Problem habe. Bei der Einreise in Russland kriegt man zwei Karten zum ausfüllen. Eine für die Einreise und eine für die Ausreise. Die für die Ausreise muss man behalten, damit man wieder aus dem Land raus darf. Interessanterweise habe ich aber damals offenbar die falsche Karte zurückbekommen, nämlich die Einreisekarte.

Vielleicht werde ich also an der Grenze von den russischen Grenzwächtern aus dem Zug geworfen und muss mich gemäss dieser Dame dann auf den Weg zu einer anderen Bahnstation machen um wohl ein paar Formulare auszufüllen und eine Busse zu bezahlen. Vielleicht aber auch nicht.

In meinem 4er Abteil befand sich zu meiner Freude nur eine andere Person, ein Mongole, der fast kein Englisch spricht. Gleich nebenan teilen sich ein junger amerikanischer Biologie-Doktorand und eine etwas ältere dänische Flugplanerin ein Abteil. Auf der anderen Seite sind zwei junge finnische Köche, die zusammen den Job hingeschmissen haben und jetzt auf dem Landweg nach Australien wollen. Etwas weiter daneben eine Chinesin aus Macau, die Englisch spricht. Wir haben uns alle im Abteil des Amerikaners und der Dänin versammelt und abgemacht, Silvester zusammen zu feiern. Ausserdem fahren wir alle bis nach Beijing und bis auf die Chinesin werden wir alle in einem Hostel übernachten. Die Dänin hat bereits eines gebucht das direkt beim Bahnhof sein soll. Die Finnen machen es wie ich und organisieren das dann vor Ort.

Leider habe ich in Finnland meine Tasse zurückgelassen (als Geschenk für Bert), weshalb ich jetzt Tee aus einem der Fertignudeln-Behälter trinke. Funktioniert aber ganz gut.

Die Steckdosen im Gang des Zugwagens liefern 48V Gleichstrom. Ich bin gespannt, ob das funktioniert für den Ladeadapter des Macbooks.

 

Tag 2

Silvester. Im Zug gilt generell moskauer Zeit, auch wenn wir mittlerweile in einer anderen Zeitzone sind. Gefeiert haben 2 Chinesinnen, 4 Finnen, ein Amerikaner (Eltern sind aus Venezuela und Brasilien, geboren ist er in den USA, seine Eltern wohnen jetzt in China…), eine Dänin und ein Schweizer. Wir haben uns entschieden, jede mögliche Stunde zu feiern. China-Zeit Neujahr, lokales Neujahr, moskauer Neujahr, finnisches Neujahr und Schweizer/Dänisches Neujahr. Die Chinese haben aber eigentlich einen anderen Kalender und feiern erst am 26. Januar. Die Amerikaner sind viel zu spät dran, weshalb wir das auslassen.

Die Chinesin, die ich im letzten Eintrag erwähnt habe, ist 26 Jahre alt, obwohl sie aussieht wie 16. Sie studierte (westliche) Medizin und ist nun auf der Suche nach einer Assistenzstelle. Beeindruckend. Ihre Abteil-Genossin ist aus Hong Kong und möchte mir ihr Alter erst verraten, wenn ich sie geheiratet habe. Wir haben also abgemacht, dass wir das in Beijing tun werden. Ich nenne die beiden also nun “Tiny Doctor” und “Future Wife”. Mein Zimmergenosse ist “Mongolian Dude” geworden, für die anderen habe ich noch keine Namen.

Ich vermisse das Duschen.

 

Tag 3

Alkohol und Diskussionen, von beidem etwas zuviel. Es geht das Gerücht um, das zwei Schwedinnen im Zug sind. Suche verlief erfolglos.

 

Tag 4

Die Schwedinnen! Einer der Finnen hat sie aufgespürt und in die Runde integriert. Das wird interessant. 4 Finnen, ein Amerikaner/Latino und zwei Schwedinnen. Und keine Dusche seit 3 Tagen. Schlafrhythmus ist völlig aus den Fugen geraten. Ist aber nicht weiter schlimm.

 

Tag 5

Introspektiv, oft am lesen (immernoch “Crime and Punishment”). Der Zug ist mittlerweile voller Chinesen.

 

Tag 6

Beeindruckende Fahrt durch die Mongolei. Der mongolische Speisewagen ist um Längen besser (und schöner) als der russische. In Ulan Bator kriege ich zwei Däninnen als Abteilgefährten. “How was Ulan Bator?” “COLD!”

 

Tag 7

Die beeindruckende, fremde chinesische Landschaft! Lotterige Hütten und daneben eine Fabrik, deren Rauch in einer kilometerlangen Smogwolke endet. Berge, Täler, gefrorene Flüsse. Fischer und ab und zu wieder eine rauchende Fabrik. Schliesslich Beijing, im Zentrum beeindruckend sauber.

Die restlichen Bilder sind hier.



7 Kommentare zu „Transsib“

  1. Micha sagt:

    Hey, und welche ist jetzt Future Wife? Oder ist sie jetzt schon Wife? ;- )

  2. bart sagt:

    haha, “die tasse bruch i eeeeh nöd” ;-)
    naja, immerhin bruch i sie etz regelmässig, und eso e tasse isch jo nöd so tür zum neu chaufe, fallsd wieder eini wotsch… vüll spass no!

  3. Claudio sagt:

    Future-wife ist nicht auf den bildern, habe aber evtl videomaterial von ihr. sie wurde an der chinesischen grenze rausgeworfen weil sie ihre ID nicht dabei hatte.. der pass würde zwar reichen für nach hong kong (wo sie herkommt), aber nicht durch mainland china. also fliegt sie aus der mongolei direkt nach hong kong..

  4. Hans sagt:

    Claudio! wo isch dä rüümlischlüssel?!

  5. Sam sagt:

    Weisst du noch, welche Zug-Nummer du hattest? Ich versuche herauszufinden, welche Züge mit welcher Ausstattung daher kommen (gerade in Bezug auf Steckdosen beispielsweise).

  6. Steckdosen in der Transsibirischen Eisenbahn? | Orient Impress sagt:

    [...] nun in einem anderen Transsib-Blog verwirrt mich Folgendes: Die Steckdosen im Gang des Zugwagens liefern 48V Gleichstrom. Ich bin [...]

  7. Claudio sagt:

    Zug Nummer 4, ein chinesischer Wagen. 48V Steckdosen, aber im Spezialrüümli der Zugbegleiter hats andere Steckdosen. Einmal hab ichs sogar geschafft, mein Macbook da aufzuladen. Bei jedem weiteren Versuch hats dann aber irgendwie die Sicherung rausgehauen.

Kommentieren


Über den Autor

Claudio M. Mettler

Mein Name ist Claudio M. Mettler. Ich bin 26 Jahre alt.

Seit Dezember 08 bin ich auf Reisen und möchte nicht mehr zurück ins normale Leben.

Hier dokumentiere ich meine Abenteuer und den Reisealltag.

Mein Zuhause im Cyberspace ist Ponyfleisch.ch