Von China nach Vietnam auf die komplizierte Tour 11. Februar 2009

Das war eine der besten Erfahrungen meiner Reise bisher.

Chinesischer Zug. Für die einen ist er halb voll, für die andern ist er halb leer.

Ich habe mich also für die komplizierte Variante entschieden, um von Nanning nach Hanoi zu kommen. Da ich am Tag zuvor in Nanning mit einigen Einheimischen getrunken habe, schaffte ich es nicht, mich rechtzeitig für den 07:58 Zug zum Bahnhof zu schleppen und habe stattdessen den 11:45 Zug genommen. Kostenpunkt ohne Sitzreservation: 15 Yuan (2.50 Fr.). Die Zugfahrt nach Pingxiang im rappelvollen Zug dauerte gefühlte 50 und reale 5 Stunden.

In Pingxiang brachte mich ein etwas merkwürdiges Transportmittel für 20 Yuan (3 Fr.) bis zur Landesgrenze, eine Fahrt die gegen 20 Minuten dauerte. Nach einer Stempelorgie und dem Abwimmeln von Geldwechslern mit betrügerischen Wechselkursen beim Grenzübertritt nahm ich dann ein Taxi nach Dong Dang für 5 US Dollar.

Ich erzählte dem Taxifahrer, dass ich nach Hanoi will, worauf er mich, wie von Wikitravel vorhergesagt, zu der Haltestelle einer privaten Busfirma brachte. An der Mauer hinter einem Stand der Getränke verkaufte hing ein Schild mit den Preisen für verschiedene Städte. Hanoi: 80′000 Dong, d.h. knapp 5$. Der Typ, der mir die Busfahrt verkaufen wollte, verlangte 20$ von mir. Ich zeigte auf das Schild und er schüttelte den Kopf. Grossartig. Es ist mittlerweile gegen 18:00 und ich bin in einem vietnamesischen Grenzkaff voller Betrüger und ein paar Autostunden von Hanoi entfernt. Keiner spricht Englisch. Preise werden mittels Taschenrechnern kommuniziert. 

Auf der Suche nach anderen Möglichkeiten irrte ich in den Strassen Dong Dangs umher, permanent umgeben von jungen Männern auf Motorrädern, die mir ihre Taxidienste anboten.

Anh, das smarteste Mädchen das ich bisher kennengelernt habe. Die Dame ist CEO Material.

Plötzlich standen am Strassenrand zwei kleine Mädchen, um die 11 Jahre alt, anständig gekleidet mit grossen Schulbüchern in der Hand und begrüssten mich.

Mädchen: “Hi!”
Ich: “Hi! Do you speak english?”
Mädchen, grinsend: “Yes, a little.”
Ich: “Great! Can you help me to get to Hanoi?”

Von da an hat eines der Mädchen, Anh, die Kontrolle übernommen. Sie lief mit mir zurück zur Busstation und verhandelt mit dem Typen.

Anh: “He said 20 Dollars.”
Ich: “Yes but that’s too much. The sign on the wall says 80′000 Dong.”
Anh spricht nochmals mit dem Typen.
Anh: “10 Dollars.”
Ich: “No. You see Anh, as a matter of principle i’m not going to pay more than it says on that sign.”

Anh schleppte mich über die Strasse zu einer Bushaltestelle wo einige Leute warteten. Sie sprach mit denen, anscheinend ohne Resultat. Sie winkte ein weiteres Mädchen zur Runde und benutzte ihr Mobiltelefon, um weitere Informationen einzuholen. Etwas später nahm sie dann einen Zettel hervor und zeichnete ihren Plan auf:

Here -> Long San -> Hanoi

“You can get from here to Long San for 10′000 Dong. Then you get on another bus and get to Hanoi for 70′000 Dong.”

Die Strassen von Dong Dang.

Auf die andere Seite des Zettels schrieb sie Instruktionen auf vietnamesisch, die ich in Long San rumzeigen kann. Ich schätze es heisst “Ich möchte nach Hanoi und bezahle 70′000 Dong.” Ich überlegte, ob ich das Abenteuer wirklich eingehen will. “Maybe i should pay that guy 10$ then, that seems to be the easiest way. But i don’t understand, the sign on the wall says 80′000 Dong to Hanoi, right?” Anh: “Yes, but they’re ugly.” Anh sprach auch noch mit einem Taxifahrer und sagte dann zu mir mit einem wissenden die-Details-erspare-ich-dir Blick “He’s expensive.”

Inzwischen fuhr der Betrüger-Bus los und ich war um eine Entscheidungsmöglichkeit ärmer. Kurz darauf kam der Bus nach Long San und Anh schleppte mich zum Bus und schob mich rein. Sie sagte noch etwas zu den Leuten im Bus, von denen nun einer namens Vincent die Kontrolle übernahm.

Vincent (ganz links), in der Mitte des Bildes ist deren Riesen-Rauchutensil (an den Tisch gelehnt) zu sehen.

Eine halbe Stunde später, es war mittlerweile dunkel, winkte mich Vincent aus dem Bus am Ende von Long San. Neben der beleuchteten langen Strasse war ein kleiner Strassenstand mit etwa 5 Leuten. Vincent führte mich dahin. Die Leute da hatten ein ca. 1 Meter langes, mit Isolierband umwickeltes Bambusrohr mit einer seitlichen Öffnung am einen Ende. Dort steckte Vincent etwas Tabak-artiges rein, zündete es an und nahm einen Zug. Ich habe keine Ahnung was das genau ist, habe abgelehnt und mir stattdessen ein Bier gekauft. Die Leute vom Stand haben mir ausserdem noch etwas selbstgebrannten Reisschnaps angeboten, eine leicht gelbliche Brühe aus einem Benzinkanister. Ich sagte “I’m probably going blind now, right?”, leerte das halbe Glas, verzog mein Gesicht und grunzte. Die Leute haben mich ausgelacht.

Habe davon getrunken und überlebt.

Nach ca. einer Stunde am Stand kam dann ein kleiner, hoffnungslos überfüllter 12 plätziger Bus. Vincent sprach mit dem Fahrer und stopfte mich und mein Gepäck in den Bus.

Etwa 3 Stunden später war ich dann in Hanoi, es war zwischen 22 und 23 Uhr und warm. Die Strassen waren belebt und ein paar Leute winkten mich zu ihrem Strassen-Restaurant. Ich setzte mich hin, spülte 2 Gläser Bier herunter (für 12′000 Dong total) und sprach mit dem Vietnamesen neben mir, welcher zufälligerweise Taxifahrer war und mich zum Hostel brachte, dessen Adresse und Karte ich auf dem iPhone gespeichert habe. Das Hostel war leider ausgebucht, aber gleich daneben ist ein Hotel, welches einzelne Betten in Mehrbettzimmern für 7$/Nacht vermietet (also eigentlich ein Hostel). Ich platzierte mein Gepäck im Zimmer und trank ein paar weitere Bier mit einigen Briten, die vor dem Hostel sassen.

Die Moral der Geschichte: Die Vietnamesen, mit Ausnahme von denen die darauf aus sind, Touristen abzuzocken, sind wundervolle Menschen.



3 Kommentare zu „Von China nach Vietnam auf die komplizierte Tour“

  1. bart sagt:

    traum.

  2. Mike sagt:

    Ganz schö, so mues das doch laufä! Das gelbe chönt no en selber brenntä mekong gsi si nöd? Wie ist es so um in solchen Gegenden an Geld zu kommen?

  3. Claudio sagt:

    Die hatten noch etwas gelberes als sie mir gegeben haben, glaube ich. es hat jedenfalls wie Reis-”Vodka” geschmeckt..

    Geld: Ich habe bisher einfach meinen Not-Vorrat angezapft. Habe 20$ in einem Schuh, 20$ in der geheimen Gürtel-Tasche (die man innerhalb der Hose trägt), 20$ in der Bauchtasche (ebenfalls unter den Kleidern natürlich, keine nerdy Bauchtasche), 20$ im Daypack-Geheimfach und nochmals irgendwo 20$, weiss aber nicht mehr wo. Davon habe ich bis jetzt 3 10$-Scheine angebraucht und jeweils Dongs als Rückgeld erhalten.

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Über den Autor

Claudio M. Mettler

Mein Name ist Claudio M. Mettler. Ich bin 26 Jahre alt.

Seit Dezember 08 bin ich auf Reisen und möchte nicht mehr zurück ins normale Leben.

Hier dokumentiere ich meine Abenteuer und den Reisealltag.

Mein Zuhause im Cyberspace ist Ponyfleisch.ch