Von Vietnam nach Laos 5. April 2009

Ohne zu wissen, was auf mich zukommt, habe ich ein Busticket von Sapa in Vietnam nach “Laos” gekauft. Das geht. Ich bin zur Hotelrezeption und habe gesagt ich würde gerne nach Laos gehen. Ich erwartete eigentlich, gefragt zu werden in welche Stadt ich genau wolle, worauf ich dann zur grossen Karte an der Wand gehen würde und auf irgend eine grenznahe Stadt zeigen würde.
“Is 12 Dollars. You be here tomorrow eight-thirty.”
Der Bus war ein mit Locals und Reisenden vollgestopfter Minibus. Ein Vietnamese bestand darauf, am Fenster zu sitzen, wofür ich ihm dankbar war, als er später aus eben diesem Fenster kotzte. Im Bus sass auch Mike aus Kalifornien, den ich bereits aus dem Hanoi Backpackers Hostel kannte. Ausserdem im Bus waren noch eine amerikanische Mutter mit 13 jähriger Tochter (Cat und Isa) und 2 ältere Kanadierinnen. Erstaunlicherweise wusste niemand genau, wie dieser Trip “funktioniert”, sprich wann man wo auf welchen Bus wechseln muss und in welcher Stadt man am Ende ankommt.

Die vietnamesische Suppenraupe

Mike, Cat und eine Kanadierin.
Nach etwa 8 Stunden Busfahrt mit einer Essenspause (ich fand eine gigantische Raupe in meinem Reis) waren wir dann um 17 Uhr am vietnamesischen Grenzort. Wir erkundigten uns bei der Busstation, wie man nach Laos kommt.

Vietnamesische Grenzortbusstationstoiletten. Mir gefallen die Farben.
Eine der Kanadierinnen erfuhr, dass jeweils morgens um 5:30 Uhr ein Bus nach Laos fährt. Wir wollten aber schnellstmöglich nach Laos, also haben wir uns ein Taxi genommen, welches eine knappe Stunde bis an die eigentliche Grenze fuhr. Wir stempelten aus Vietnam aus, liefen 3 km zur Laos Seite und wurden von einem etwas überraschten jungen Zöllner begrüsst.
“How will you get to the nearest town?”
Der Grenzübergang war mitten im Urwald, nur für die Strasse und die (sehr neuen) Gebäude des Zolls wurde der Wald geplättet. Neben dem eigentlichen Zollgebäude stand ein Wohnhaus für die Grenzbeamten. Das nächste Dorf ist wahrscheinlich mehr als einen Fussmarsch entfernt. Unerwarteterweise standen keine Taxis, Tuktuks oder Busse dort um neue Ankömmlige zu transportieren. Die Sonne war gerade am untergehen.
“Can you get us a taxi?”
Er telefonierte eine Weile und teilte uns dann mit, dass ein Taxi 60 Dollar pro Person kosten würde. Wir lachten.
“You can sleep here and take the bus tomorrow.”
Er zeigte auf den überdachten Aussenbereich des Zollgebäudes, gleich neben den Schaltern. Etwa 100 Meter entfernt stand eine schäbige kleine Holzhütte. In der Hütte stand ein Tisch mit Kiosk-Artikeln sowie ein Bett hinter einem Vorhang. Das ist die Laos Version eines 24h Shops. Wenn man etwas braucht, weckt man die Frau, die dort schläft.

Kiosk bei Nacht von innen

Am Morgen von aussen
Wir haben uns also eingerichtet, unsere ersten Beerlao getrunken, uns mit einem Hund angefreundet und einen Film auf meinem Computer geschaut.

Das Nachtlager
Am nächsten Morgen kam dann der Bus, der zwar keine Sitzplätze mehr hatte, aber einen grossen Gepäck- und Güterhaufen im hinteren Teil, auf welchen ich mich drauflegte und ein bisschen schlief. Die Strasse war kurvig, unbetoniert und holprig, und endete in Muan Khua, wo wir am frühen Nachmittag vom Bus ausgesetzt wurden.


Einigen von uns ging das Geld aus. Keiner rechnete damit, dass dieser Trip drei Tage dauert. Ich hatte noch ca. 30 Fr. in chinesischen Yuan und ein paar Dollar, Mike hatte vietnamesische Dong. Muan Khua ist ein kleines Kaff ohne Geldautomat, die lokale Bank war geschlossen, da es Samstag war. Die Ladenbesitzer wollten kein Geld wechseln. Nach einigen Diskussionen und allgemeiner Planlosigkeit haben wir es geschafft, die ganze Gruppe in ein Slowboat zu kriegen. Das ist anscheinend, was man in Muan Khua macht: Man nimmt ein Slowboat um so schnell wie möglich weg zu kommen.


Das Boot tuckerte den Nam Ou herunter und brachte uns nach Einbruch der Dunkelheit nach Nong Kiaw, ein winziges Kaff mit einer erstaunlichen Dichte an Guesthouses.





Auf den Strassen hört man Karaoke, laute Musik, feiernde Locals. Gegen 21 Uhr wurde es plötzlich ruhig. Vor wenigen Jahren gab es in Nong Kiaw Strom nur zwischen 18 und 21 Uhr. Die Gewohnheit, gegen 21 Uhr ins Bett zu gehen, ist geblieben.

Das Schweinchen unten links sagt: "Electricity 6:00pm - 9:00 pm". Datum oben rechts: 1. Nov 2001.
Die Gruppe spaltete sich auf und Mike und ich suchten uns das günstigste Guesthouse. Der Ramschladen auf der anderen Strassenseite gehört einem Chinesen, welcher meine Yuan in Lao Kip umtauschte. Ich konnte meine Schulden an Mike zurückbezahlen und Cat und Isa Geld ausleihen für ihr Guesthouse. Mike und ich assen Curry, tranken ein Beerlao und gingen schlafen.

Am nächsten Tag habe ich dann mit dem letzten Geld zusammen mit Cat und Isa einen Bus nach Luang Prabang genommen. Mike blieb noch zwei Tage länger, da er seine vietnamesischen Dong eintauschen konnte und somit genügend Geld hatte.

Die Bushaltestelle in Nong Kiaw
Nach drei Tagen in Bussen, Booten, Taxis und Tuktuks haben wir in Luang Prabang einen Geldautomaten gesichtet. Das dreitägige Gruppendynamikexperiment war zu Ende und keiner ist dabei verhungert oder auf der Strecke geblieben.

Ein neu zur Gruppe gestossener mit Isa und Cat auf dem Weg nach Luang Prabang.
Auch wenn das alles sehr ungemütlich klingt, war ich immer bei bester Laune. Hungrig, müde, pleite, zusammengepfercht, eingeengt aber immer am grinsen.
5. April 2009 um 19:45 Uhr
Well, da isch natürli en schöne Moment =)