Oh Japan… 10. Juli 2009

Eine Gasse in Asakusa, Tokyo
Am 12. Juni ging ich nach Japan. Ja, Japan ist ein schönes Land. Ja, Tokyo ist eine der interessantesten Städte auf der Welt. Ja, die japanische Kultur ist faszinierend und manchmal auch amüsierend. Aber…
Am Flughafen von Tokyo habe ich wie abgemacht Brä getroffen, der ein paar Stunden früher aus Polen eingeflogen ist. Schnell fanden wir heraus, dass mein Reisestil, falls es sowas wie einen Reisestil gibt, nicht zu Tokyo passt.
Das erste Hostel das wir aufspürten war im Shinjuku District. Da das Gebäude in dem es sich befindet in der Nacht abgeschlossen wird, muss man vor 23 Uhr zurück im Hostel sein oder man bleibt für die Nacht ausgeschlossen. Als der Rezeptionist uns das sagte, gingen wir schnell und leise wieder raus und suchten das nächste Hostel. Eine Suche, die uns nach Asakusa führte. Sich unterwegs per Wireless LAN + iPhone Informationen einzuholen ist äusserst mühsam, da nicht mal Starbucks Wireless Internet hat. Als wir das Hostel fanden, war dieses ausgebucht. Ja, hier in Tokyo weht definitiv ein anderer Wind als im restlichen Asien. Hier wird erwartet, dass man seine Unterkunft im Voraus organisiert und reserviert. Pah!

Das sind alles Gebäude, die KEINE Unterkunft für dich haben. Bähbähbäh.
Aber es gibt ja noch die Kapselhotels, und eines davon zum Glück praktisch neben diesem Hostel, welches uns nicht wollte. Hier gings schnell und unkompliziert für etwa 35 Fr. pro Nacht. Im Duschbereich des Kapselhotels fanden wir ausserdem eine Sauna und ein typisch japanisches Bad, welches so heiss ist, dass man wahrscheinlich nach dem Baden für einige Tage steril ist. Ich wollte mir wiedermal die Kopfhaare stutzen als mein 5 Fr. Rasierer aus China mitten in der Rasur den Geist aufgab. Macht nichts, ich habe ja einen Hut. Der Rezeptionist meinte, er sei die ganze Nacht da und so haben wir uns ins Nachtleben in Roppongi gestürzt. Das war wie das Kapselhotel ein gutes und spezielles Erlebnis, über welches im Internet schon genug geschrieben wurde, deshalb lassen wir das hier aus.

Der Brä und ich in einem Club namens "Muse". Geht da hin.
Nun, ich fand mich also etwas vor 5 Uhr morgens alleine vor diesem Club wieder, und irrte ein wenig in der Morgendämmerung herum. Auf der Strasse sah ich Wegweiser nach Shibuya, ein für Shopping bekanntes Viertel von Tokyo. Ohne besseren Plan folgte ich den Wegweisern und traf an der Shibuya Metro Station auf eine Handvoll junge Japaner, die einen grossen Holzpenis durch die Gegend trugen. Um 5 Uhr früh an einem Samstag Morgen.

Morgenlatte auf japanisch
Ich weiss nicht, was für ein Ritual das war. Mit diesem Holzpenis ejakulierten die Jungs sinnbildlich auf eine Statue: Sie positionierten sich vor der Statue, schwangen mit einigen lauten Rufen den Holzpenis vor und zurück und einer der Herren fuchtelte mit einen langen Stab mit vielen weissen Papierstreifen dran vor der Statue herum.
Mittlerweie fuhr die Metro wieder und ich machte mich auf den Weg zurück ins Kapselhotel, eine fast halbstündige Fahrt mit der Metro. Nach 3 Stunden Schlaf in meiner Kapsel weckte mich der Rezeptionist und teilte mir mit, dass ich auschecken soll. Ich wimmelte ihn ab und meinte, ich würde noch eine Nacht bleiben. Er ging wieder, aber nur um 20 Minuten später wieder zu kommen. Diesesmal wollte er mich definitiv wachkriegen und machte Lärm. Die Kapseln müssen leer sein für das Putzpersonal, geschlafen wird nicht am Tag. Gut, bleibe ich eben keine weitere Nacht.
Völlig übermüdet und ohne Brä war ich um etwa 11 Uhr an einem Samstag Morgen mit vollem Gepäck wieder auf der Strasse und fuhr wieder zurück nach Shibuya. Es war Zeit, einen weiteren Budget-Trick auszuprobieren: Schlafen in Internet-Cafes.

Das beste an den Internetcafes: Die Automaten. Gratis gibts Schokoladenmilch, Cola, Eistee, Kaffee, Maissuppe und so weiter. Ausserdem gibt es auch bezahl-Automaten wo man Pommes Frites und Hühnchen rauslassen kann.
Ich fand ein grosses Gebäude in Shibuya mit 10 Stockwerken. auf etwa 7 davon befanden sich Karaoke-Boxen, in welchen man mit seinen Freunden Karaoke singen geht. Die restlichen Stockwerke waren für Internetuser. Man mietete sich ein mini-Räumchen bzw. Cubicle mit Computer und Sitz oder Liege. Ich bezahlte gegen 12 Fr. für etwa 4 Stunden und versuchte mich mit all meinem Gepäck in mein mini-Räumchen zu quetschen. Mein Räumchen hatte eine Art Sitzmatte, auf der ich mich zwar nicht ausstrecken konnte, aber zusammengekringelt wie eine Schnecke Platz fand. Der Raum war nicht klimatisiert und heiss, weshalb ich nur mittelmässig erholt mitten am Nachmittag wieder auf der Strasse in Shibuya stand.

Die bekannte Shibuya Kreuzung, fotografiert aus dem Starbucks.
Zurück in Asakusa fand ich dann ein Frisörgeschäft und habe mein Frisurdisaster in Ordnung bringen lassen. Danach besuchte ich ein japanisches Bathhouse um mal wieder an eine Dusche zu kommen. Was die Japaner übrigens auf einem Plastikschemel sitzend machen. Auf der Suche nach einer Bleibe für nächste Nacht fand ich nichts, das meinen Preisvorstellungen entsprach und fragte wieder beim Hostel des Vortages nach, welches aber immer noch ausgebucht war. Ich reservierte ein Bett für den nächsten Tag, deponierte mein Gepäck da und nahm mir vor, die nächste Nacht aus Kostengründen nicht zu schlafen.
Das waren meine ersten 24 Stunden in Tokyo.
11. Juli 2009 um 08:29 Uhr
häsch dä brä demfall nur gad ein tag gseh oder wiä?
11. Juli 2009 um 17:39 Uhr
Nei nei, s goht jo no wiiter